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Unterschenkelprothese

Mittwoch, 08. Juli 2009

Körperersatzstück nach einer Amputation im Bereich des Unterschenkels. Es gibt heutzutage viele verschiedene Möglichkeiten der prothetischen Versorgung unterhalb des Kniegelenkes. Nachfolgend eine Tabelle über die gängigsten Prothesentypen.

Bezeichnug
Merkmale
Unterschenkelprothese aus Holz oder Leder mit Oberhülse
  • frühe Prothesenform, welche heute nur noch selten zur Anwendung kommt, da die Prothesen oft zu schwer und in ihrer technischen Gestaltung zu unflexibel sind
PTB-Prothese (Patella-Tendon-Bearing)
  • erste Prothese ohne Oberhülse
  • Hauptlastaufnahme erfolgt über die Patellasehne
  • wird mit einer Riemenkonstruktion oberhalb des Kniegelenkes befestigt
KBM-Prothese (Kondylenbettung Münster)
  • ähnlich der PTB-Prothese, jedoch mit Umgreifung der Femurkondylen
  • medial mit Pelotte am Femurkondylus als Haltemechanismus
PTS-Prothese (Prothese tibiale supracondylienne)
  • ähnlich der KBM-Prothese, jedoch mit Einbeziehung der Kniescheibe in die Lastaufnahme
PTK-Prothese (Prothese tibiale Kegel)
  • stellt eine Mischform aus den vorgenannten Prothesenformen dar
  • Anstützung der Patellasehne
  • Weichwandschaft reicht über die Patella
  • Hartschaft ist im Kniescheibenbereich freigelegt
aktuelle Prothesensysteme mit Liner
  • Prothesen mit Liner (Silikon, Polyurethan, Silikongel) stellen heute in weiten Bereichen den Standard dar
  • die Lastübertragung erfolgt meist über weite Teile des Stumpfes und nicht mehr allein über das Patellaband oder unterhalb des Tibiaplateaus

In der Praxis finden sich jedoch oft Mischformen oder indikationsbezogene Sonderkonstruktionen, denn durch die individuelle Gestaltung des Orthopädiemechanikers sind die angegebenen Maßstäbe oft nur ein Anhaltspunkt.

Beispiele:

Unterschenkelprothese mit Linersystem Unterschenkelprothese mit Linersystem und elektronischem Fußpassteil

Silikon-Liner / Silikongel-Liner / PU-Liner

Mittwoch, 08. Juli 2009

Die sog. Liner sind aus der modernen Prothetik nicht mehr weg zu denken. Sie dienen bei Unter- und Oberschenkelprothesen, sogar bei Armprothesen als Verbindungs- und Bettungselement zwischen Stumpf und Schaft. Sie bestehen im wesentlichen aus 4 Teilen:

  1. dem Silikon (oder vergleichbarem Material)
  2. der Tasse (für den Pin-Anschluß)
  3. der Kaschierung
  4. der Matrix

Die Tasse ist in Linern eingearbeitet, welche in Kombination mit einem Verschlusssystem verwendet werden. Der Pin gehört dabei schon zum Verschlusssystem und nicht wie oft vermutet zum Liner. Die Kaschierung (ein Textilüberzug außen am Liner)  erleichtert das Anziehen. Ist sie nicht vorhanden, z.B. bei Klinik-Linern wegen der besseren Desinfektionsmöglichkeiten, ist ein Anziehhilfe-Spray notwendig, damit die Silikonschichten aufeinander gleiten können. Die Matrix ist ein Textilgewebe, was entweder mit in den Liner eingearbeitet oder Teil der Kaschierung ist. Sie dient dazu den Längshub zu minimieren, da hierbei unangenehme Reibung auftritt.

Aufgrund verschiedenster Anforderungen, werden diese Elemente kombiniert oder (teilweise) weggelassen. So gibt es zum Beispiel Oberschenkelliner (auch TF-Liner genannt), welche eine durchgehende Matrix sowie eine Tasse haben, jedoch keine Kaschierung. Unterschenkel-Liner (TT-Liner) haben in der Regel immer eine Kaschierung jedoch aufgrund der knöchernen Struktur eine reduzierte Matrix. So ergibt sich eine riesige Anzahl verschiedenster Liner, welche für den jeweiligen Einsatzzweck sorgfältig ausgewählt werden sollten.

Die Materialien:

  • Silikon:
    • der Klassiker und die erste Form der Liner
    • stabil, strapazierfähig, leicht zu reinigen
    • geeignet für Unterschenkelstümpfe mit guter Weichteildeckung und Oberschenkelstümpfe
  •  Silikon-Gel:
    • etwas weicher als das klassische Silikon
    • knöcherne Strukturen werden besser Druckentlastet
    • bessere Reduktion von Scherkräften
    • für Unterschenkelstümpfe mit normaler Weichteildeckung und Oberschenkelstümpfe
  • PU-Liner:
    • Liner mit guten Fließeigenschaften
    • sehr gute Reduktion von Scherkräften
    • geeignet für Unterschenkelstümpfe mit schlechter Weichteildeckung
    • für Oberschenkelstümpfe eher ungeeignet

Alle Linertypen sind in verschiedenen Dicken erhältlich (3mm, 6mm und teilweise 9mm). Die dickeren Liner laufen für gewöhnlich nach proximal (rumpfnah) auf 3mm Stärke aus. Einige Hersteller liefern auch Unterschenkel-Liner, welche vorn im knöchernen Bereich dünner sind als hinten, was den Tragekomfort beim Sitzen erhöht.
Diese Aufstellung ist jedoch keinesfalls komplett, es gibt mittlerweile viele Weiterentwicklungen, wie zum Beispiel mit Silberionen beschichtete Liner gegen verstärkte Geruchsbildung oder Liner gegen Phantomschmerzen. Alle möglichen Kombinationen zu nennen ist fast unmöglich.
Das Größenbestimmung erfolgt bei den verschiedenen Herstellern fast einheitlich 4cm oberhalb des Stumpfendes.

Sensomotorische / propriozeptive Einlagen

Mittwoch, 08. Juli 2009

Sensomotorische, auch propriozeptive Einlagen genannt, haben einen anderen Ansatz als herkömmliche Bettungs- oder Korrektureinlagen. Während bei den zuvor genannten Einlagen der Fuß lediglich gebettet bzw. durch mechanischen Druck von außen in eine Form gezwungen wird, machen sich sensomotorische Einlagen eine Verringerung des Muskeltonus zunutze. Durch den gezielten Einsatz sog. Informationen (wie die Pelotten auf diesen Einlagen bezeichnet werden), wird dem Organismus ein veränderter (reduzierter) Muskeltonus suggeriert, auf den er ausgleichender Weise mit einer Muskelkontraktion reagiert. Das Ergebnis ist eine aktive Korrektur des Fußes. Weitere Informationen gibt es bei Footpower.

Prothesenschaft

Mittwoch, 08. Juli 2009

Ein Prothesenschaft ist Bestandteil von Prothesen und bildet die Schnittstelle zwischen Stumpf und den eingesetzten Passteilen. Es gibt für die jeweiligen Anwendungsorte Schäfte in verschieden Formen mit verschiedenen Funktionen.

Einige Beispiele:

Unterschenkel:

  • Kondylenumfassender Schaft mit Weichwandinnentrichter
  • Schaft mit Liner-System (Pin oder Vakuum)

Oberschenkel:

  • MAS-Schaft (mit oder ohne Liner)
  • CAT-CAM Schaft (mit oder ohne Liner)
  • querovaler Schaft (mit oder ohne Liner)

Diese Aufzählung ist jedoch keinesfalls vollständig. Hinzu kommen verschiedene Schaftformen im Armbereich. Prothesenschäfte werden immer individuell für einen Patienten angefertigt und können dann auch nur von diesen verwendet werden. Meist sind nach einigen Monaten oder Jahren Anpassungen notwendig beispielsweise bei Gewichtszu- oder Abnahme.

Sarmiento Fraktur-Brace

Mittwoch, 08. Juli 2009
Sarmiento Fraktur-Brace
Der Frakture-Brace nach Sarmiento findet häufig Anwendung bei Tibia-Schaftfrakturen. Ein solches Modell findet sich auch in der Abbildung links. Der Vorteil gegenüber der klassischen Versorgung mit Gips oder Cellacast-Binden ist, das durch das 2-Schalen-Prinzip und die verschiedenen Verschlüsse wesentlich mehr Kompression auf die Fraktur ausgeübt werden kann und dadurch oftmals die Callusbildung verstärkt angeregt wird. Weiterhin wird dem Träger eine Bewegung um Sprunggelenk ermöglicht

Gefertigt werden diese Schienen nach Gipsabdruck. Die Hülsen bestehen aus 2-3mm Polyethylen und die Schienen aus 4-5mm Polyethylen. An der Schienbeinkante und den Knöcheln sollte sich ein Polster befinden. Optional kann der Brace auch perforiert werden, um etwas Luftzirkulation zu ermöglichen.

Indikation:
Tibiaschaftfrakturen, Fibulafrakturen
Verordnungstext:
Fraktur-Brace nach Sarmiento

Information:
Frakturversorgungen nach Sarmiento können auch bei Oberarmfrakturen verwendet werden (Humerus-Schaft Frakturen)
Verordnungstext:
OA-Fraktur-Brace nach Sarmiento

Oberschenkelprothese

Mittwoch, 08. Juli 2009

Als Oberschenkelprothese bezeichnet man Körperersatzstücke nach einer Beinamputation, bei der auch das Kniegelenk mit entfernt wurde. Es gibt genau wie bei den Unterschenkelprothesen viele verschiedene Schaft- und Prothesensysteme welche durch die vielen weltweit verfügbaren Prothesenpassteile in den unterschiedlichsten Kombinationen zu finden sind. Die nachfolgenden Tabellen sollen zum einen kurze Informationen zu den gängisten Schaftsystemen zum anderen den verschiedenen Kniegelenkklassen liefern.

Schaftsysteme

Bezeichnug
Merkmale
Querovaler Schaft
  • die Lastübertragung auf den Prothesenschaft erfolgt weitestgehend über den Sitzknochen (Tuber ischiadicum), daher auch die Bezeichnung Sitzbein-unterstützender Schaft
  • der Schaft wird in einer Zweckform (nicht anatomisch) gestaltet
  • technische Details:
    • ausgehend vom Tuber liegt der vordere Schaftbereich (die sog. Frontalpelotte) max. 2,5cm höher, weiterhin ist diese Pelotte großflächig angelegt, um keinen zu großen Druck auf die Blutgefäße auszuüben
    • im Schritt, dem sog. Perineum, liegt der Schaftrand max. 1-1,5cm tiefer (um auch die Adduktoren im Schaft zu fassen)
    • der äußere Schaftrand variiert oftmals abhängig von der Stumpflänge und liegt bei Kurzstümpfen höher als bei Langstümpfen
    • das Umfangsmaß des Sitzringes liegt unter dem anatomischen Maß
    • ausgehend vom A/P Maß des Perineum sollte das laterale A/P Maß in etwa das Doppelte betragen; das M/L Maß das 2,5 fache
    • weiter unten im Schaft, dem sog. Steuerungsbereich befindet sich die laterale Anlage, welche als Gegenhalt zum Oberschenkelknochen dient
    • bei einem Kontaktschaft wird das Stumpfende formschlüssig umfasst, was der idealere Zustand ist; wünscht oder verträgt der Amputierte keinen Endkontakt, wird auch auf die Formschlüssigkeit verzichtet, hier sollte dann aber zur Vermeidung von Blauverfärbungen (sog. Zyanosen) der Hohlraum mit einem weichem Material aufgefüllt werden
    • Prothesen mit querovaler Schaftform sind häufig mit zusätzlichen Haltemechanismen ausgestattet (Schlesier-Bandage, Halte-Bandage), welche ein “Herunterrutschen” des Sitzknochens vom Tuber verhindern sollen
  • auch heute noch sehr häufig verwendete Schaftform
CAT-CAM Schaft (länsovaler Schaft)
  • Contoured Adducted Trochanteric Controlled Alignment Method; was sinngemäß soviel bedeutet wie konturierte adduzierte Trochanter-kontrollierte Aufbaumethode
  • diese Schaftform kam Mitte der 1980er Jahre in den USA auf und ist seit dem in verschiedensten Abwandlungen zu finden:
    • Narrow ML (medial/lateral engerer Schaft, welcher sich in unseren Breiten nicht durchgesetzt hat)
    • APO Socket (antero-posterior ovaler Schaft)
    • UCLA-Socket (University of California L.A. / Schafttechnik nach C. Hoyt), die Schafttechnik welche heute in leichten Abwandlungen zum Einsatz kommt
  • im Gegensatz zu querovalen Schaft wird der Sitzknochen (tuber ischiadicum) nicht bzw. nur minimal zur Lastübertragung herangezogen
  • der Sitzbeinast wird medial (innen) umgriffen (daher auch die Bezeichnung Sitzbein-umgreifende Schaftform)
  • durch die unterschiedliche Anatomie erweist sich diese Schaftform bei Patientinnen durch den größeren Schambeinwinkel oft als schwierig
  • technische Details:
    • ausgehend vom Tuber sollte die Umgreifung medial ca. 3cm hoch sein und parallel zum Ramus verlaufen
    • nach ventral (vorn) fällt der Schaft am sog. Kreuzungspunkt ab
    • im vorderen (ventralen) Bereich steigt dann der Schaftrand wieder an, verläuft jedoch min. 4cm unter dem vord. oberen Darmbeinstachel
    • außen (lateral) sollte der Schaftrand gerade über den Trochater Major reichen, da höher liegende Bereiche beim Gehen an der Beckenmuskulatur reiben
    • im hinteren (dorsalen) Bereich verläuft der Schaftrand auf Höhe der Sitzbeinumgreifung und steigt dann nach außen an (bei sehr langen Stümpfen kann der hintere Bereich jedoch weiter ausgeschnitten werden, da dies für den Patienten mehr Sitzkomfort bedeutet)
    • die Lastübertragung erfolgt weitestgehend über die gesamte Fläche des Stumpfes (einschl. des Stumpfendes), was bedeutet, dass der Patient mit einem Kontaktschaft versorgbar sein muss
    • medial / lateral wird eine Verblockung zwischen Oberschenkelknochen (femur) und Sitzbeinast (ramus ossis ischii) erzeugt
  • wenn die Indikation es zulässt sollte man diese Schaftform der querovalen vorziehen
MAS® – Schaft
(Marlo Anatomical Socket)
  • das MAS® – Schaftsystem wurde vom mexikanischen Ingenieur Marlo Ortiz entwickelt und patentiert (MAS = Marlo Anatomical Socket); der Schaft kann auch nur von zertifizierten Technikern gefertigt werden
  • der Schaft orientiert sich wie kein anderer an den anatomischen Voraussetzungen und erfordert eine akkribische Maß- und Modelltechnik; mehrere Probeschäfte sind keine Seltenheit
  • im Gegensatz zum CAT-CAM Schaft wird das Sitzbein nicht von hinten umgriffen, sondern es erfolgt eine Umgreifung des Sitzbeinastes (beginnend hinter dem Schambein und parallel zu Ramus)
  • auch von der Form unterscheidet sich der MAS-Schaf vom CAT-CAM Schaft, weniger längs und noch mehr der menschl. Anatomie entsprechend
  • Vorteile gegenüber den anderen Systemen:
    • sehr gute Rotationskontrolle
    • verbesserte Seitenstabilität
    • bequeme hydrostatische Lastaufnahme (die Last wird auf den gesamten Stumpf verteilt)
    • so gut wie keine Bewegungseinschränkung
  • technische Details:
    • der MAS® beruht hauptsächlich auf 3 Prinzipien:
      1. Drei-Ebenen Kongruenz (Ohr parallel zum Ramus / Vertikaler Ramuswinkel 10° bis 15° /”Bank” dient nicht zur Lastübertragung, Breite durchschn. 12mm)
      2. Drei Kraftvektoren (mediales AP / Skelettales ML / Diagonales ML)
      3. Hydrostatische Lastaufnahme
    • das lässt sich alles recht schwer in Anwender-Deutsch übersetzten; nur so viel: Punkt 1 bezieht sich im Wesentlichen auf die Ausrichtung des sog. “Ohres” (was im Übrigen nicht zur Lastübertragung genutzt wird); Punkt 2 berücksichtigt hauptsächlich 3 Maße (muskulär und knöchern) und mit dem dritten Punkt ist die gleichmäßige Druckverteilung auf den gesamten Stumpf gemeint.


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Mobilitätsgrad / Mobilitätsklasse

Mittwoch, 08. Juli 2009

Hauptsächlich in der Prothetik der unteren Extremitäten finden sich häufig die Bezeichnungen Mobilitätsgrad, Mobilitätsklasse bzw. Aktivitätsgrad oder Aktivitätsklasse. Im Grunde genommen haben die 4 Begriffe im Prothesenbau die gleiche Bedeutung. Sie dienen der Klassifizierung der Leistung eines Amputierten. Hierbei ist jedoch, entgegen der Vermutung Vieler, nicht der aktuelle Zustand des Amputierten gemeint, sondern dessen Potenzial bzw. das Therapieziel. Auch wird eine solche Einteilung von den Herstellern der Prothesenpassteile verwandt, allerdings in Kombination mit Maximalgewichten.

Die Mobilitätsgrade im Einzelnen:

0. Nichtgehfähiger

Hier wird unterstellt, dass der Patient nicht im Stande ist eine Prothese aktiv zu nutzen. In seltenen Fällen wird ein kosmetischer Ersatz gefertigt.

1. Innenbereichsgeher

Der Betroffene besitzt das Potenzial bzw. die Fähigkeit die Prothese für kurze Wegstrecken (auf ebener Fläche) und Transferzwecke zu nutzen.

2.Eingeschränkter Außenbereichsgeher

Der Betroffene besitzt das Potenzial bzw. die Fähigkeit, sich langsam fortzubewegen und dabei kleinere Hindernisse zu überwinden.

3. Uneingeschränkter Außenbereichsgeher

Der Betroffene besitzt das Potenzial bzw. die Fähigkeit, sich mit seiner Prothese mit variabler (auch hoher) Geschwindigkeit in unterschiedlichem Terrain fortzubewegen. Auch berufliche und therapeutische Aktivitäten bereiten Ihm keine Schwierigkeiten.
Die Prothese wird jeoch nicht überdurchschnittlicher beansprucht. Die Gehdauer / -strecke sind gegenüber Unversehrten unwesentlich limitiert.

4. Uneingeschränkter Außenbereichsgeher mit besonders hohen Funktionsansprüchen

Der Betroffene besitzt das Potenzial bzw. die Fähigkeit sich wie der uneingeschränkte Außenbereichsgeher fortzubewegen. Gehstrecke und Dauer sind nicht limitiert. Außerdem kommt es auf Grund eines hohen Anspruches zu vermehrten Stoßbelastungen bzw. Spannungen oder Verformungen

Es kursieren viele verschiedene Formulierungen der Aktivitätsklassen, in Krankenkassenverträgen, Herstellerinformationen usw. In der Kernaussage sind sie jedoch ähnlich.

Kompromissachsen

Dienstag, 07. Juli 2009

Da es technisch nicht möglich ist, die anatomischen Gelenkachsen nachzubilden, werden in der Orthopädietechnik sog. Kompromissachsen verwendet. Im Folgenden beschrieben finden sich die gängigsten Kompromissachsen der unteren Extremität.

1. Hüftgelenk

  • horizontal durch die Mitte des Hüftgelenkes
  • Hilfsmittel: Roser-Nelaton-Linie (Tuber ischiadicum, Trochanter major und Spina iliaca anterior superior)
  • mögliche Bewegungen: Flexion (Beugung), Extension (Streckung)

2. Kniegelenk

a: nach Nietert

  • Höhe 19mm über dem Kniespalt (bei Kindern 8-10mm; bei sehr großen Patienten bis 25mm)
  • a/p Einordnung 60%/40%
  • mögliche Bewegungen: Flexion (Beugung), Extension (Streckung)

b: nach Gocht

  • Höhe Patella-Mitte
  • a/p Einordnung 65%/35%
  • mögliche Bewegungen: Flexion (Beugung), Extension (Streckung)

3. oberes Sprunggelenk

  • lateral 1cm vor dem höchsten Punkt des Knöchels
  • medial in a/p Richtung auf dem höchsten Punkt des Knöchels, aber horizontal mit der Lateralseite ausgerichtet
  • mögliche Bewegungen: Dorsalextension, Plantarflexion

Knieorthese

Dienstag, 07. Juli 2009

Knieorthesen zählen zu den körpernahen technischen Hilfsmitteln. Sie kommen in den verschiedensten Ausführungen, bei verschiedenen Indikationen zum Einsatz. Einige Abbildungen von Knieorthesen, sind hier zu finden.

Die häufigsten Erkrankungen / Verletzungen und deren Versorgungen:

Indikation
Knieorthesentyp
Vordere Kreuzbandruptur

(Synonyme: ACL-Ruptur, Ruptur LCA)

ACL (in der Regel Schalen/Schellen vorn; Verschlüsse hinten)
CI (obere Schale/Schelle vorn; untere Schale/Schelle hinten)
Hintere Kreuzbandruptur
(Synonyme: PCL-Ruptur, Ruptur PCL)
PCL (passiv oder aktiv (PCL-Jack)/ in jedem Fall die untere Schale hinten)
Seitenbandverletzungen
(Synonyme: Innen- oder Außenbandläsion)
CI
Valgusgonarthrose
(Synonym: Verschleiß bedingte X-Bein Fehlstellung )
OA Varianten bei konfektionierte Orthesen (in der Regel sind jedoch
individuell gefertigte Orthesen sinnvoller)
Varusgonarthose
(Synonym: Verschleiß bedingte O-Bein Fehlstellung )
OA Varianten bei konfektionierten Orthesen (in der Regel sind jedoch individuell gefertigte Orthesen sinnvoller)

Orthesen in der Version ACL / PCL / CI bezeichnet man auch als Knieführungsorthesen, die OA Versionen auch als Knieentlastungsorthesen.

Amputation

Dienstag, 07. Juli 2009

In aller Kürze:

Als Amputation bezeichnet man die Fachgerechte Absetzung einer Extremität (eines Körpergliedes) an der Stelle, die durch die Erkrankung bestimmt wird. Sie wird oft als lebensrettende Maßnahme durchgeführt oder wenn ein erkranktes Körperteil nicht mehr zu heilen ist. Orthopädietechniker haben heutzutage hauptsächlich Amputationen der unteren Extremitäten zu versorgen. Hier zu erwähnen sind die transtibiale (Unterschenkelamputation) und die transfemorale (Oberschenkelamputation) Amputation. Einen wesentlich kleineren Teil umfassen die Amputationen im Bereich des Armes (transhumeral / Oberarm; transradial / Unterarm).

Die Amputation aus orthopädietechnischer Sicht:

Die Amputationstechniken haben sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. Früher war man bestrebt das Stumpfende stark mit Weichteilen zu überdecken und in der Prothese zu entlasten. Heute versucht man soviel Stumpffläche wie möglich zur Lastübertragung heranzuziehen. Auch stellen komplizierte Formen heute i.d.R. kein Problem mehr dar.

Die häufigsten Gründe für eine Amputation der unteren Extremität sind:

  • arterielle Verschlusskrankheiten – AVK (z.B. infolge von Diabetes)
  • Traumata
  • Tumore
  • angeborene Deformitäten
  • etc.

Amputationen der Oberen Extremität sind ca. 17x seltener. Die häufigste Ursache sind Traumen. Sie sollen jedoch nicht Gegenstand dieses Beitrages sein.

Bei den unteren Extremitäten finden sich sie die arteriellen Verschlußkrankheiten als häufigste Ursache für eine Absetzung. Der Begriff AVK umfasst dabei eine ganze Reihe verschiedener Krankheitsbilder, deren Ergebnis eine Störung der arteriellen Zirkulation ist, die sich aber in Ihrem Verlauf deutlich unterscheiden. Die Amputation infolge von AVK unterscheidet sich deutlich von den anderen. Sie ist in diesen Fällen die Auswirkung einer Grunderkrankung, die ja auch andere Organe betrifft; Sie bremst bestenfalls die Progression der Grunderkrankung und Sie ereilt oftmals Alterspatienten, um nur einige zu nennen.

Eine Absetzung infolge eines Traumas kommt im Vergleich dazu viel seltener vor, da die moderne Medizin über vielfältige Möglichkeiten der Erhaltung der betroffenen Gliedmaßen verfügt. Nennenswert hier sind Unfälle mit Schienenfahrzeugen und Motorradunfälle bzw. in geringerer Anzahl Arbeitsunfälle etc.

Bei Amputationen im Zusammenhang mit Tumoren fällt auf, dass die Amputationshöhe notwendiger Weise oft sehr weit oben angesiedelt ist (im Hüft- und Beckenbereich). Durch die verbesserte Behandlungsmöglichkeiten und der Möglichkeit befallene Gelenke mit Tumorprothesen zu ersetzen sind die Fallzahlen zurückgegangen.

Letzte hier erwähnte Ursache sind Fehlbildungen. Die Gründe dafür sind ebenso vielfältig wie die Formen; Vererbung; Schädigung in den ersten 3 Schwangerschaftsmonaten durch Sauerstoffmangel, Vergiftungen oder Viruserkrankungen; Amnion-Abschnürungen etc.
Formen:

  • Peromelie (teilweises Fehlen der Extremität)
  • Hyperplasie (Riesenwachstum)
  • Dysmelie (Extremitätenfehlbildungen)
  • Aplasie (ein Knochen ist nicht, oder nur zum Teil angelegt)
  • Synostose (Knochen miteinander verschmolzen)

Amputationshöhen:

Vereinfacht lässt sich sagen, dass eine niedrigere Amputationshöhe auch immer günstiger für den Patienten darstellt und Ihm mehr Lebensqualität bietet. Im Folgenden werden die meisten Amputationshöhen beschrieben:

  • Fußamputationen
    • Vorfußamputationen / kurzer und langer Mittelfußstumpf (auch SHARP und SHARP-JÄGER)
    • langer Fußwurzelstumpf (LISFRANC – Amputation) -> Exartikulation
    • kurzer Fußwurzelstumpf (BONA – JÄGER – Amputation) -> Exartikulation
    • Rückfußstumpf (CHOPART – Amputation) -> Exartikulation
    • PIROGOFF – Amputation (Osteoplastik – Durchtrennung des Fersenbeines und Anbringung des unteren Fersenbeinteiles an das Ende von Schien- und Wadenbein)
  • Unterschenkelamputationen
    • SYME-Amputation (Amputation des Fußes und Entfernung der Knöchel)
    • im unteren Drittel
    • im mittleren Drittel
    • im oberen Drittel
  • Knieexartikulation
  • Oberschenkelamputation
    • Amputation nach GRITTI (Durchtrennung des Oberschenkelknochens oberhalb der Gelenkknorren und Anbringung der entknorpelten Patella)
    • Amputationen im unteren Drittel
    • Amputationen im mittleren Drittel
  • Hüftexartikulation
  • Hemipelvektomie (Abtrennung einer Beckenhälfte)
  • Hemicorporektomie (Halbkörperamputation)

Was passiert nach einer Bein-Amputation?

In vielen Kliniken wird die postoperative Phase unterschiedlich gehandhabt. Im folgenden wird NUR EINE Möglichkeit für eine Betreuung von Stumpf und Patient aufgezeigt.

Unmittelbar nach der Amputation wird der Stumpf mit einem straffen Wundverband gewickelt, welcher in erster Linie dazu dient, die Schwellung zu reduzieren und die Naht zu schützen. Nach Entscheidung des Arztes werden nach ca. 2-4 Wochen die Fäden gezogen, auch danach wird weiter Druck auf den Stupf ausgeübt entweder in Form von Kompressionsverbänden oder mit Hilfe von Silikon-Linern. Diese Kompression ist für eine spätere Prothesenversorgung sehr wichtig.
Weiterhin sollte möglichst frühzeitig mit Physiotherepie begonnen werden, mit dem Ziel, Kontrakturen zu vermeiden, die Muskulatur der erhaltenen Seite zu kräftigen und die Koordination zu steigern.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist es, sich vom klassischen Bild eines Amputierten zu verabschieden, wie es einem in den Medien suggeriert wird. Die meisten Menschen werden heutzutage aufgrund von Verschlußkrankheiten und/oder schwerem Diabetes amputiert, wobei der gesamte Organismus nicht mehr einwandfrei arbeitet. Das bedeutet natürlich auch eine große Kraftanstrengung für das Laufen mit Prothese, oftmals jedoch mit Gehhilfen.
Anders stellt sich das Bild bei traumatisch Amputierten dar. Hier ist meist der übrige Organismus gesund, ohne Begleiterkrankungen was natürlich auch eine bessere Prognose bietet.

Fast alle Amputationshöhen lassen sich heutzutage vernünftig orthopädietechnisch versorgen. Hier im Forum finden sich bereits einige Einträge zu Problemen, die eine Amputation mit sich bringt. Benutzt dazu einfach die Suche.

Unser Forum steht Betroffenen mit fachmännischer Hilfe zur Seite.