Die sog. Liner sind aus der modernen Prothetik nicht mehr weg zu denken. Sie dienen bei Unter- und Oberschenkelprothesen, sogar bei Armprothesen als Verbindungs- und Bettungselement zwischen Stumpf und Schaft. Sie bestehen im wesentlichen aus 4 Teilen:
- dem Silikon (oder vergleichbarem Material)
- der Tasse (für den Pin-Anschluß)
- der Kaschierung
- der Matrix
Die Tasse ist in Linern eingearbeitet, welche in Kombination mit einem Verschlusssystem verwendet werden. Der Pin gehört dabei schon zum Verschlusssystem und nicht wie oft vermutet zum Liner. Die Kaschierung (ein Textilüberzug außen am Liner) erleichtert das Anziehen. Ist sie nicht vorhanden, z.B. bei Klinik-Linern wegen der besseren Desinfektionsmöglichkeiten, ist ein Anziehhilfe-Spray notwendig, damit die Silikonschichten aufeinander gleiten können. Die Matrix ist ein Textilgewebe, was entweder mit in den Liner eingearbeitet oder Teil der Kaschierung ist. Sie dient dazu den Längshub zu minimieren, da hierbei unangenehme Reibung auftritt.
Aufgrund verschiedenster Anforderungen, werden diese Elemente kombiniert oder (teilweise) weggelassen. So gibt es zum Beispiel Oberschenkelliner (auch TF-Liner genannt), welche eine durchgehende Matrix sowie eine Tasse haben, jedoch keine Kaschierung. Unterschenkel-Liner (TT-Liner) haben in der Regel immer eine Kaschierung jedoch aufgrund der knöchernen Struktur eine reduzierte Matrix. So ergibt sich eine riesige Anzahl verschiedenster Liner, welche für den jeweiligen Einsatzzweck sorgfältig ausgewählt werden sollten.
Die Materialien:
- Silikon:
- der Klassiker und die erste Form der Liner
- stabil, strapazierfähig, leicht zu reinigen
- geeignet für Unterschenkelstümpfe mit guter Weichteildeckung und Oberschenkelstümpfe
- Silikon-Gel:
- etwas weicher als das klassische Silikon
- knöcherne Strukturen werden besser Druckentlastet
- bessere Reduktion von Scherkräften
- für Unterschenkelstümpfe mit normaler Weichteildeckung und Oberschenkelstümpfe
- PU-Liner:
- Liner mit guten Fließeigenschaften
- sehr gute Reduktion von Scherkräften
- geeignet für Unterschenkelstümpfe mit schlechter Weichteildeckung
- für Oberschenkelstümpfe eher ungeeignet
Alle Linertypen sind in verschiedenen Dicken erhältlich (3mm, 6mm und teilweise 9mm). Die dickeren Liner laufen für gewöhnlich nach proximal (rumpfnah) auf 3mm Stärke aus. Einige Hersteller liefern auch Unterschenkel-Liner, welche vorn im knöchernen Bereich dünner sind als hinten, was den Tragekomfort beim Sitzen erhöht.
Diese Aufstellung ist jedoch keinesfalls komplett, es gibt mittlerweile viele Weiterentwicklungen, wie zum Beispiel mit Silberionen beschichtete Liner gegen verstärkte Geruchsbildung oder Liner gegen Phantomschmerzen. Alle möglichen Kombinationen zu nennen ist fast unmöglich.
Das Größenbestimmung erfolgt bei den verschiedenen Herstellern fast einheitlich 4cm oberhalb des Stumpfendes.



