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Monchichi

Amputation Ja oder Nein ???

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Hallo Zusammen,

weiß gar nicht wie ich hier anfangen soll!?! ???

Vielleicht erst einmal zur meiner Person:

Ich bin der Michael 31 Jahre alt. 190cm Groß 83kg.

Im September `94 (damals 16 Jahre alt) hatte ich einen Verkehrsunfall (Moppet Fremdverschulden.) Seit dem ist wurde ich ca. 35mal Operiert. Letztes mal 25.05.09.

Mein Linker Unterschenkel ist nach einem Kompartmentsyndrom eine einzige Baustelle. Hälfte Unterschenkel ohne Gefühl. Hammerzehe. Verse immer wieder offen, Ulkus wurde immer wieder mit Schpalthaut versucht zu schließen. Hin und wieder mal Entzündungen. Das ging so weit das ich sogar meinen Beruf aufgegeben habe (April ´08) um mich um meine Gesundheit zu kümmern.

Seit der letzten OP laufe ich mal wieder auf Gehstützen. Darf nicht auftreten….

Das nur zur kurzen Info.

Nun zu meinem Problem:

Seit diesem Jahr überlege ich mein Unterschenkel Handbreit unterhalb des Knies amputieren zu lassen. (Ein Arzt und ein Orthopädiemechaniker sagten mir dass sich die Lebensqualität wesentlich verbessern würde.)

Wie sind eure Erfahrungen im Alltag, beim Sport, beim Duschen, wie sieht es aus wenn ihr morgens früh aufsteht und aufs Klo müsst?

Probleme mit „Liner“, Prothesen, Stumpf bzw. Druckstellen?

Bin für jede Mail dankbar.

Michael

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bei solch schwerwiegenden Entscheidungen bin ich mit einer Meinungsabgabe immer sehr vorsichtig. Letztendlich solltest Du Dich da auf die Ärzte und Kollegen vor Ort verlassen.

Grundsätzlich abwegig ist der Gedanke aber nicht, wenn Du den vorhandenen Fuß nicht nutzen kannst, wird eine Prothese Deine Lebensqualität sicherlich steigern. Der Schritt will aber wohl überlegt sein, denn "ab ist ab", da gibts kein zurück mehr.

Mit einer Unterschenkelamputation lässt es sich aber auch ganz gut leben, vorausgesetzt man hat keine weiteren Begleiterkrankungen.

Kleinere Probleme können immer mal auftreten, Druckstellen o.ä. Mit einer vernünftigen Versorgung sollte sich das aber in Grenzen halten. Deinen Alltag wirst Du nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sicher wieder in den Griff bekommen, zumal Du mit 31 ja noch ein eher junger Prothesenträger sein wirst...

...zu Deiner Info; ich bin Techniker

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Hi Michael,

bin seit einem Jahr durch ein Motorradunfall Unterschenkelamputiert, auch ungefähr Handbreit unterm Knie.

Bin sozusagen noch ein Frischling.

Zu ein paar Fragen kann ich Dir helfen, da ich mich schon etwas darauf eingestellt habe. Bin 26, 95kg, 187cm.

Habe nen Rolli beim Bett stehen falls ich schnell mal aufs Klo muß, geht aber auch mit Gehhilfen.

Dusche, bzw. bad muß man sich einrichten, geht aber mit einfachsten Hilfsmitteln (Habe zum Duschen ein gehobeltes Eichenbrett quer über der Badewanne liegen, welches von Wand zu Wand geht und schnell hochgestellt ist, womit keiner in der Familie durch mein Hilfsmittel arg gestört wird.

Als Endlösung ist eine ebenerdige Dusche mit Haltegriffen und Stumpfauflage geplant.

Als Sport betreibe ich bis jetzt Gymnastik, Fitness und Fahrradfahren. Letzteres ist im Moment recht Anspruchsvoll da wir bei uns nur Berge haben und ich Konditionell noch lange nicht auf der Höhe bin.

Das Gehen an sich wird nochmal neu erlernt (Das Halten des Gleichgewichts, Bergauf und Bergablaufen,...).

Im Alltag komme ich Tag für Tag besser zurecht. Treppenlaufen, Spazieren, Einkaufen, Partys, etc., klappt mittlerweile ganz gut.

Grundsätzlich gilt: Je mehr "Gas" man gibt, trainiert und wiederholt, umso schneller und besser kommt man wieder ans Laufen.

Probleme mit Liner, Prothesen, Stumpf und Druckstellen sind sehr individuell. Es wird getestet und probiert bis man das Richtige gefunden hat.

Such Dir einen Orthopädie-Techniker der Dir in Ruhe erklärt wie die Reha-Phase verläuft und welche Systeme für Dich in Frage kommen.

Ich persönlich habe das Harmonie-System mit Carbon-Fuß von der Fa. Bock. Das System ist laut meines OT das Beste auf dem Markt. Es gibt auch bei kurzem Stumpf eine präzise Führung da es sich per Unterdruckpumpe an den Stumpf festsaugt. In Verbindung mit einem Fließliner wird der Druck sanft auf den Stumpf verteilt (fühlt sich bequem an). Allerdings sträuben sich die Krankenkassen dieses teure System zu bezahlen, Du musst regelrecht dafür kämpfen. Je höher Dein Mobilitätsgrad, desto besser.

Es gibt aber noch andere gute Systeme mit verschiedenen Vorteilen (wie ich hier im Forum erfahren habe).

Wie heini schon sagte: Die Amputation ist Entgültig und wirklich der letzte Ausweg. Habe einen Bekannten der sich zu einer Amputation entschieden hat. Letztentlich hat er es nicht bereut, da die neuen Schmerzen in keinem Verhältnis zu dem alten Mertyrium stehen.

Wenn es wirklich zu einer Amp. kommt dann schau zu das Der Stumpf wenn möglich etwas länger als Handbreit wird, das ist schon die unterste Schmerzgrenze da der Stumpf als Hebel dient und der "Schienbeinknochen" auf eine Art belastet wird wöfür er eigentlich nicht gebaut ist.

Bei weitern Fragen nur zu, wäre nur schön wenn sich noch ein "Alter Hase" finden würde der sich hier äußert.

Wünsch Dir alles Gute,

Mikel

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Das ist eigentlich keine Frage für einen Orthopädie-Techniker. Wir sind in der Lage Prothesen zu bauen damit Du an den nächsten Olympischen Spielen im 100m Lauf teilnehmen kannst. Es ist eine Frage des resultierenden Stumpfes und des Patienten.

Suche Dir einen Arzt der Amputationserfahrung hat und lasse Dir erklären wie hoch das Amputationsrisiko ist und wie gut der Stumpf mit dem Du dann zum Techniker kommst. Eins schlechter Problemstumpf wird auch die Prothesenversorgung einschränken und damit natürlich die Möglichkeiten.

Weiter kommt es auf Dich an. Wenn du wirklich willst, kannst mit Prothese Berge versetzen.

Und Mikel hat einen sehr sachlichen Beitrag geschrieben dem ich nur beistimmen kann. Es geht aber auch ohne Harmonie-System wie man bei den Olympischen Spielen sieht.

Wenn Du jetzt nicht frei laufen kannst dann wird Dir die Amputation viele neue Freiheiten bringen

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Hallo Monchichi,

ich habe wohl viel durchgemacht und letztlich vor 4 Jahren auch das Knie verloren.

Ich komme aber wieder gut zurecht, kann gut laufen und die Prothese auch den ganzen Tag tragen.

Wenn du Dein Knie behältst, bist Du wohl im Vorteil, denn der Fuß läßt sich sehr natürlich nachbilden.

Die Ärzte müssen Dir aber sagen, ob Dein (kurzer) Stumpf hinterher belastbar ist. Wenn das der Fall ist, soltest Du nicht lange überlegen.

Letztlich kommt es auf die Lebensqualität an. Und mit einer Us-Prothese dürftset Du auch die gängigen Berufe ausüben können.

einen mutigen gruß

blondemaus

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Hallo Monchichi,

wie hier bereits erwähnt wurde solltest Du die Entscheidung über die Amputation gründlich überdenken. Ich kann Dir hier nur davon berichten wie es mir ergangen ist.

Ich wurde Ende 2004 in der Uniklinik in Münster amputiert (rechter Unterschenkel). Heute glaude ich die haben einen ganz guten Job gemacht. Einziger Kritikpunkt ist dass der Stumpf "zu lang" ist. Ja, Du hast richtig gelesen. Zu lang. Dadurch bin ich in der Wahl der Füße die ich drunter schrauben kann eingeschränkt. Im März 2005 bin ich in der Reha zum ersten Mal mit der Prothese gelaufen. Ich finde diese ersten Schritte sehr wichtig, denn der Fleiß den Du hier an den Tag legst bringt Dich schnell voran. Im September 2005 (also kein Jahr nach der Amputation) habe ich schon wieder auf dem Badminton-Feld gestanden. Das hört zwar verrückt an - mit der Prothese Badminton spielen - aber glaube mir, dass geht hervorragend. Ich habe den Sport bereits lange vor meiner Amputation ausgeübt. Heute spiele ich ganz normal bei den nicht Behinderten in der Verbandsliga (genau wie vor der Amputation).

Meine weiteren Erfahrungen mit der Prothese sind auch durchaus positiv. Das Erste was ich beim Aufstehen anziehe und das Letzte was ich abends ausziehe ist die Prothese. Ich trage das Teil also den ganzen Tag. Ein Teil meiner Arbeitskollegen weiß gar nicht das ich amputiert bin :o

Für das Duschen habe ich eine Badeprothese. Leider muß man sehr häufig um eine Badeprothese mit seiner Krankenkasse kämpfen. Ich habe mir einen Anwalt gesucht und nach einem halben Jahr Briefverkehr zwischen Anwalt und Krankenkasse habe ich die Genehmigung bekommen. Als System verwende ich einen SealIn-Liner von Össur (Vakuum). Ich bin eigentlich sehr zufrieden mit der Lösung. Morgens streife ich den Liner über den Stumpf, steige in die Prothese ein und fertig. Die einfache Handhabung führt auch dazu das ich für den nächtlichen Toilettengang eher die Prothese anziehe (ist nur ein Arbeitsgang mehr als beim Hausschuh ;D) als zur Gehhilfe zu greifen. Zum Sport hatte ich mich ja schon geäußert (bin mittlerweile mehrfacher Europameister im Badminton für Behinderte). Radfahren geht auch sehr gut.

Alles in allem bin ich mit meiner Lösung sehr zufrieden. Allerdings ist das glaube ich sehr individuell. Der eine kommt besser, der andere schlechter damit zurecht. Was aber auf jeden Fall stimmen muß ist die innere Einstellung. Ich habe schon einige kennen gelernt die ihrem Fuß nachtrauern. Das macht keinen Sinn. Man muß einfach das Beste aus der Situation machen.

In diesem Sinne hoffe ich Dir ein wenig geholfen zu haben und drücke Dir die Daumen das Du am Ende die für Dich richtige Entscheidung getroffen haben wirst.

Viele Grüße

CaptAhab

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... als meine Amputation im Raum stand hat mein OT gefragt: Kannst Du jetzt laufen? Antwort: Nein! Willst Du laufen? Ja! Dann baue ich Dir ein Bein mit dem Du alles machen kannst was Du vorher auch gemacht hast. Er sollte Recht behalten und ich habe diesen Schritt nicht bereut.

Viele Grüße DonRon

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Hallo zusammen,
 
ich bin Dajinder und Mitarbeiter des Exoprothesennetz.sh. Das Netzwerk hat sich mit dem Ziel gegründet, Menschen und Angehörigen, die von einer Amputation betroffen sind, zu unterstützen. 
 
Ich möchte euch mit diesem Beitrag die Internetseite vorschlagen und euch auch auf die Facebook-Seite aufmerksam machen. 
 
 
 Facebook: @exopat
 
Ich wünsch euch viel Spaß beim Stöbern. Nehmt über die Website und Facebook gern Kontakt zu uns auf.
 
Beste Grüße
 
Dajinder 

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